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Von kühnen Visionen zur Ku(h)lturlandschaft und zum Dorfkühlschrank
Im kleinen Dorf Referinghausen im Hochsauerlandkreis ist im September 2011 Schluss mit der Beschaulichkeit. Drei Tage lang stellen Nachwuchs-Architekten und Architektinnen den 254-Seelen-Ort auf den Kopf. Gemeinsam mit den Einwohnern entwickeln sie Ideen, wie das Dorf auch noch in 10 oder 20 Jahren ein attraktiver Wohnort sein kann. Ob Q-Dorf oder „Rast - Gast in Ref“ – die Ideen sind mutig und ausgefallen. Mehr als ein Jahr ist dies jetzt her. Was ist aus den Visionen der jungen Architekten geworden?
„Das Wochenende war für uns wie ein 6-er im Lotto“, erinnert sich Ortsvorsteher Reinhard Figgen an das „Sommerseminar“, das die Stiftung Deutscher Architekten in Zusammenarbeit mit der Südwestfalen Agentur durchführte. „Die Ideen und Gedanken der jungen Studenten haben hier im Dorf einiges in Bewegung gebracht.“ Doch Visionen sind die eine Seite, die Umsetzung und Verwirklichung eine andere. In Referinghausen allerdings hat die engagierte Dorfgemeinschaft es nicht bei Theorien belassen, sondern ein Planungsteam zusammengestellt und gemeinsam mit vielen Partnern Projekte in Angriff genommen.
Milch macht Ku(h)lturlandschaft – Erlebnisstationen zum Thema Milch: Eines der Charakteristika des Dorfes, die Milchwirtschaft, soll mit Hilfe von Erlebnisstationen neue Impulse bringen. Vorschläge für die Stationen wie Alte Molkerei oder Melkkuh liegen bereits vor. Das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, die Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW und der Naturpark Rothaargebirge haben das Vorhaben bereits positiv bewertet und Unterstützung in Aussicht gestellt. Derzeit wird angestrebt, das Projekt bis zum nächsten „Klein, aber oho!“–Dorffest am Himmelfahrtstag, 9. Mai 2013, umzusetzen.
Hofladen: Das Thema Selbstversorgung ist für viele Dörfer der Region existenziell. In Referinghausen wurde mit Hilfe einer Umfrage ermittelt, ob die Nachfrage für einen eigenen Hof-/Dorfladen groß genug ist. Mit einer kleinen, aber ungewöhnlichen Lösung soll jetzt gestartet werden: An einem Kühlschrank, öffentlich zugänglich im Dorf aufstellt, sollen Milchprodukte und weiterer Artikel wie Honig und Eier künftig käuflich zu erwerben sein.
Landesstraße L872: Die Straße führt mitten durch Referinghausen, „zerschneidet“ den Ort somit. Die besonderen Merkmale des Dorfes sind für Autofahrer kaum sichtbar. Der Straßenverkehr soll nun durch viele kleine Maßnahmen „entschleunigt“ werden: Neue Ortseingangstafeln wurden bereits aufgestellt, unter anderem sind jetzt die Melkzeiten in Referinghausen ausgeschildert – der Ort wirbt mit einem Augenzwinkern immerhin selbst damit, mehr Kühe als Einwohner zu haben. Derzeit laufen die Planungen für einen Info- und Unterstand, der auf den Ort aufmerksam macht und zur Rast einlädt: In seiner Form einem alten Bahnwaggon ähnelnd soll er die Kleinbahn wieder in Erinnerung rufen, die Mitte des letzten Jahrhunderts für das Dorf von zentraler Bedeutung war. Die Finanzierung soll über das LEADER-Projekt vorangetrieben werden. Zudem wurde gemeinsam mit der Stadt Medebach erreicht, dass innerhalb der Ortschaft die Markierung eines beidseitigen Schutzstreifens mit Entfernen der Mittelmarkierung und damit eine optische Fahrbahnverengung vorgenommen werden kann.
Ob Milcherlebnisse oder „Dorfkühlschrank“: Lob für die Entwicklungen erhält Referinghausen auch von Seiten der Südwestfalen Agentur. „Es ist klasse, was dort alles passiert und wie engagiert sich die Bürgerinnen und Bürger für die Zukunft ihres Dorfes einsetzen. Hohes bürgerschaftliche Engagement gibt es in vielen Orten in unserer Region Südwestfalen. Mit der REGIONALE 2013 versuchen wir, diesen Einsatz zu unterstützen und zu fördern“, sagt Geschäftsführer Dirk Glaser.




