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"Mehr Dorf für weniger Menschen"

08.11.2010

Dr. Stephanie Arens ist Projektleiterin für ländliche Entwicklung bei der Südwestfalen Agentur. (Foto: Südwestfalen Agentur)

Für jeden Ort eine individuelle Lösung suchen: Prof. Dr.-Ing. Hildegard Schröteler-von Brandt erklärte in ihrem Vortrag, dass es kein Patentrezept im Umgang mit Leerständen gibt. (Foto: Alexander Kiß/harlekin-graphics.de)

Konferenz3.jpg: Die Südwestfalen Agentur, hier die Projektverantwortlichen Dr. Stephanie Arens und Daniel Fühner, wird im Jahr 2011 eine Leerstands-Offensive starten. (Foto: Alexander Kiß/harlekin-graphics.de)

Informations-Offensive gegen ein Negativ- und Tabuthema: Auf der Konferenz „Leerstände im Dorf“ berieten jetzt Experten zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern über neue Ideen für alte Häuser und die Zukunft der Dörfer in Südwestfalen. In einem Punkt waren sich alle Teilnehmer in Siegen einig: Aktive Dorfgemeinschaften sind ein Schlüssel, um den einsetzenden Leerständen entgegenzuwirken.

In den neuen Bundesländern sind Leerstände längst Realität. Es gibt Gemeinden, in denen mehr als 20 Prozent der Gebäude nicht mehr genutzt werden. In Südwestfalen ist die Lage zwar noch nicht ganz so dramatisch, aktuelle Prognosen zeichnen aber gerade für die Dörfer der Region ein düsteres Bild. Starke und kontinuierliche Bevölkerungsverluste bis zum Jahr 2030, eine deutlich ältere Gesellschaft und immer mehr Immobilien, die leer stehen und verfallen. „Es ist deshalb entscheidend, dass möglichst viele Menschen dieses Thema mitbekommen und erkennen, das hier etwas passieren muss. Ich freue mich besonders, dass so viele Interessierte aus den Dörfern gekommen sind“, sagte Dirk Glaser, Geschäftsführer der Südwestfalen Agentur. 300 Teilnehmer folgten der Einladung der  Universität Siegen, Fachbereich Architektur und Städtebau, und der Südwestfalen Agentur.

Mit der Ausrichtung der Konferenz haben die Veranstalter bereits ein entscheidendes Ziel erreicht: offensiv über das Leerstands-Problem informieren. „Leerstände sind gerade für Politiker ein Negativ-Thema, über das man nicht gerne spricht“, sagte Referent Armin König. Der Bürgermeister der Gemeinde Illingen im Saarland weiß, wovon er spricht. In seiner Gemeinde kämpft er zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern seit einigen Jahren gegen Leerstände – mit Erfolg.  „Mehr Dorf für weniger Menschen“: mit dieser Devise konnte die Zahl der leer stehenden Gebäude in den vergangenen Jahren immerhin von 105 auf 28 verringert werden – vor allem durch konsequente Umnutzung und Abrisse. Neubauflächen werden in Illingen auch nur noch in Sonderfällen genehmigt. „Dort, wo Innenstädte ausbluten, müsste die Ausweisung von Neubaugebieten eigentlich verboten werden“, sagte König. Für Matthias Günther vom Eduard-Pestel-Institut Hannover wird zudem das Thema Gebäude-Abrisse in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen. „Derzeit reißen wir eindeutig zu wenig Häuser ab“, sagte Günther.

Ein dörferübergreifendes Patentrezept  beim Umgang mit Leerständen gibt es nicht. Das Beispiel Illingen lässt sich nicht einfach auf Südwestfalen übertragen. „Vielmehr muss für jeden Ort eine individuelle Lösung gesucht werden“, erklärte Prof. Dr.-Ing. Hildegard Schröteler-von Brandt von der Universität Siegen.  Wichtig sei zunächst, dass Kommunen eine kontinuierliche Bestandsanalyse durchführten: Welche Häuser stehen leer und in welchem Zustand befinden sie sich? Wo können künftig Probleme entstehen, da die Nachnutzung nicht gesichert ist? Die Ergebnisse sollen dann in die Gesamtstrategie der kommunalen Flächennutzung eingebettet werden.

Zahlreiche Lösungsmöglichkeiten und Ideen für die Leerstands-Problematik wurden auf der Siegener Konferenz vorgestellt: Prämien-Modelle für den Kauf alter Häuser oder für deren Abriss, Kunst und Kultur als Möglichkeit der Zwischennutzung, Gemeinschaftskäufe durch Bürgerinnen und Bürger. Egal wie man das Problem jedoch angehe, entscheidend sei die Einbeziehung der Dorfgemeinschaften, erklärt Dr. Stephanie Arens von der Südwestfalen Agentur.  „Nur mit ihrer Hilfe können Probleme gelöst werden. Wenn Bürgerinnen und Bürger sich für ihren Ort einsetzen, wird das Dorf attraktiv und lebenswert – für junge und alte Bewohner als auch für Menschen von außerhalb“, sagt Dr. Stephanie Arens von der Südwestfalen Agentur.

Lösungsmöglichkeiten diskutieren, Menschen zusammenbringen, den Ideenaustausch fördern – die Konferenz war ein erster Schritt, das Thema Leerstände im ländlichen Raum in Südwestfalen stärker in das Bewusstsein zu rufen. Im Zuge der REGIONALE 2013 soll dies im Jahr 2011 mit einer Leerstands-Offensive weiter verstärkt werden. Projekte wie „10x LandLeben Heimat“, „Mobil4you“ oder „Meine Heimat 2020“ zielen unter anderem darauf ab, die Rahmenbedingungen in Dörfern wie die Nahversorgung oder den Öffentlichen Personennahverkehr zu verbessern und ein gemeinschaftliches Vorgehen der Dörfer in Südwestfalen zu unterstützen.

Die Vorträge der Referenten stehen zum Download bereit:

Starter-Vorträge

Leerstände im Dorf – die vielen Facetten des Themas - Prof. Dr.-Ing. Hilde Schröteler-von Brandt, Universität Siegen

Leerstandsoffensive der Regionale Südwestfalen 2013 - Probleme_Ziele_Projekte - Dr. Stephanie Arens und Dipl.-Ing. Daniel Fühner, Südwestfalen Agentur

Leerstände in Südwestfalen - Beobachtungen aus der Bevölkerungs- und Wohnungsmarktentwicklung - Dipl.-Oec. Matthias Günther, Eduard Pestel-Institut, Hannover

LandLuft – ein baukultureller Beitrag aus Österreich - Roland Gruber, Vorsitzender des Vereins LandLuft, Wien

„Vorübergehend geöffnet“ – Designlabor Bremen - Prof. Ulrich Exner, Universität Siegen

 

Arbeitsgruppe 1

Umnutzung oder Abriss von landwirtschaftlichen Gebäuden - Dr. Frank Bröckling, planinvent - Büro für räumliche Planung, Münster

Kommunale Strategien zum Umgang mit Leerstand - Armin König, Bürgermeister Illingen - Saarland

Junge Menschen kaufen alte Häuser - Andreas Homburg, Amtsleiter Gemeinde Hiddenhausen

"Dörfer im Aufwind" - Verena Traumann, Regionalmanagerin, LEADER Region Hochsauerland, Medebach

 

Arbeitsgruppe 2

Umnutzungen, Nachnutzungen, Neunutzungen – Ein baukultureller Beitrag - Dipl.-Ing. Darius Djahanschah, Bauassessor LWL-Amt für Landschafts- und Baukultur in Westfalen, Münster

Zwischennutzungen in Ostdeutschland - Dipl.-Ing. Kai Dolata, urbikon, Berlin/Leipzig

Projekte der Zwischennutzungsagentur Wuppertal - Thomas Weyland, Org. Beratung Schulten und Weyland. Wuppertal

 

Arbeitsgruppe 3

Qualifizierungsstrategien für die nachhaltige Nutzung von Einfamilienhausbeständen der 50er bis 70er Jahre - Dipl.-Ing. Andrea Berndgen-Kaiser, ILS – Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung GmbH, Aachen

Erfahrungsbericht Projekt Obernheim im Rahmen des Programms MELAP in Baden-Württemberg - Dipl.-Ing. Architekt Friedrich Rau, Albstadt

Leerstände im Dorf aus der Sicht der Immobilienwirtschaft: Ein Praxisbericht - Hans Sting, Immobilienwirt und Diplom-Sachverständiger, Sparkasse Siegen

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